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Historisches

625 Jahre Gersdorf

Gersdorf, in früheren Jahrhunderten auch Wendisch Gersdorf genannt, liegt zirka 5 km südöstlich von Golßen. Das Dorf (90 ha) mit einem bis 1945 bestehenden Rittergut (383 ha), das in der Regel immer zu Zützen gehörte, wurde im Jahr 1957 mit Zützen vereinigt. Seit 2009 gehört es als Gemeindeteil von Zützen zur Stadt Golßen.
Gersdorf taucht am 14. Juni 1397 als „Gerichsdorf“ in einer Urkunde des Luckauer Stadtarchivs (heute Brandenburgisches Landeshauptarchiv in Potsdam) auf. Am 8. April 1461 schrieb man es „Gersßdorf“, am 26. März 1546 „Gerstorff“ und am 5. August 1580 „Wendisch Gersdorf“, wie den Niederlausitzer Lehnbüchern zu entnehmen ist. Obwohl zeitweise als „wendisch“ tituliert, gibt es keine Überlieferung einer sorbischen Benennung, nur den deutschen Ortsnamen. Benannt ist Gersdorf also nach einem Mann mit einem deutschen Personennamen mit Ger- im Erstglied, z. B. Gerwig, Gerhard oder Gerlach.
Im Jahre 1455 wird ein Deditzer (Zeidler - Bienenzüchter) erwähnt. 1708 lebten nur 5 Kossäten und 1 Büdner in Gersdorf. Das waren 10 Mann im Alter von 12 bis 60 Jahren. 1718 gab es immer noch 5 Kossäten oder auch Gärtner genannt nebst einem Häusler. Fünf Jahre später, 1723, zählte man 14 Feuerstellen, wohl einschließlich des Ritterguts. Ende des 18. Jahrhunderts, 1795, wurden 5 Freibüdner erwähnt, deren Zahl sich bis 1810 auf 10 Büdner oder Häusler erhöhte.

Die Einwohnerzahl schwankte von 1818 bis 1939 zwischen 90 und 148 Personen. Im Jahre 1900 lebten 91 Personen in Gersdorf, 57 in der Gemeinde und 34 auf dem Gut.
Kirchlich war Gersdorf nach Zützen eingepfarrt, was sich spätestens 1718 kontinuierlich nachweisen lässt. Die Kirchenbücher von Zützen mit den Orten Gersdorf und Sagritz beginnen 1689 und werden im Golßener Kirchenarchiv aufbewahrt.
Gersdorf war vor 1492 Teil der Golßener Herrschaft unter den Stutterheim. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel, z. B. der Droste aus dem Münsterland, kauften es 1749 die Kleist, die 1840 in den preußischen Grafenstand erhoben wurden und den Besitz fast 200 Jahre bis zur Bodenreform 1945 behaupteten. Infolge dieser politischen Maßnahme wurde das Rittergut in zahlreiche Neubauernstellen aufgeteilt, die heute neben dem alten Dorfkern das Ortsbild prägen. Erst in den 1960er Jahren erhielt Gersdorf eine feste Straßenverbindung zum damaligen Hauptort Zützen, wo die Kinder auch zur Schule gingen.

Dr. Michael Bock

Literatur: Rudolf Lehmann: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz, Bd. I, Marburg 1979. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Bd. III, Brandenburg 1856. Weiterführende Literatur beim Verfasser.

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Adresse.

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Markt 1, 15938 Golßen
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Tourist-Information.

Dorfstraße 26, 15910 Schlepzig
Tel.: 035472 64025