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Historisches

Zum Volkstrauertag – 3 Briefe – 3 Schicksale

Im November 1948 bekam der Gastwirt Walter Hönicke in „Gohlsen“ Mark Brandenburg Post von Marie Kröber aus dem kleinen Ort Pötewitz bei Zeitz in Sachsen-Anhalt. Abgestempelt (Briefmarke abgelöst) ist der Brief am 8.11. (1948) in Wette(rzeube), einem größeren Nachbardorf an der Bahnstrecke Gera-Zeitz-Leipzig. Frau Kröber schreibt am 7.11.48 mit Bleistift in Sütterlin-Schrift auf einem linierten längst vergilbten Blatt, herausgetrennt aus einem DIN-A5 Heft:

“Werter Herr Hönicke!
Durch Hans Bittroff auch ein Kamerad meines Mannes erfuhr ich Ihre Adresse. Nun möchte ich Sie bitten mir etwas über meinen Mann Willy Kröber mitzuteilen. Wann waren Sie zuletzt mit Ihm beisammen? Ich hab von Willy die letzte Post von 4.4.45 von Winschau b.[ei] Brünn nichts wieder gehört. Ob er noch lebt? Man erzählt mir[,] dass es Lager giebt, wo die Gefangenen nicht schreiben können[,] was meinen Sie dazu? Ich bin in großer Sorge u.[nd] verliere die Hoffnung. Geben Sie mir bitte bald Antwort.

Herr Bittroff ist im September aus russische Gefangenschaft. Jetzt ist er bei seiner Frau im Westen. Sie sollen auch mal an Ihn schreiben. Seine Adresse ist: Hans Bittroff[,] Unternbibert Nr. 9[,] Bezirk Ansbach[,] Mittelfranken. Sollte Herr Hönicke noch nicht zurücksein, so bitte ich ich [sic!], die Angehörigen mir etwas mitzuteilen. Wo er ist[,] ob er schreibt. Wenn es möglich ist durch einen Brief nach meinem Mann mal anfragen.
Nun vielen Dank im Voraus.
Viele Herzliche Grüße Marie Kröber …“
Über das Ergebnis der Suchaktion ist nichts bekannt.

Nun ein Feldpostbrief des Soldaten Johann Bock (1901-1945) mit der Feldpostnummer 66387B, auf Standard A5 Blatt, auch mit Bleistift geschrieben. Adressiert ist der Brief an „Frau Elly Driesener [1910-1964], Golsen Mühlenstrasse 13, Deutschesreich“. seine Schwägerin.
„Polen d. 12.1.1945
Liebe Elly u. Kinder [der minderjährige Sohn fiel in der Kesselschlacht von Halbe]
Grüße Euch alle recht herzlich bin gesund und hoffe dasselbe von Dir. Was machs Du immer schönes tüchtig arbeiten oder hast Du einen das Du bald heiraten wirst [war Kriegerwitwe]… . Muß Dich noch einmal errinnern an die [Rasier]Klingen wenn es möglich ist und eine [Zahn]Bürste es ist hier nichts zu bekommen. …“
In den Wehrmachtskleiderkammern gab es nur militärische Ausrüstung. Allerdings nichts zum Zähneputzen oder Rasieren. Diese Dinge fielen unter Marketenderware und die gab es nur bei der Einheit, nicht mehr an der Front. Dieser Soldat, mein Großvater, überlebte die Gefangennahme im März nicht. Ein Sohn (1924 1944) fiel auf der Krim. Seine Frau und drei minderjährige Kinder wurden im Juni 1945 aus der Tschechoslowakei vertrieben und im Juli in Golßen aufgenommen.

Aus einem dritten Brief über den Tod meines Onkels, des aus Schenkendorf gebürtigen Gefreiten Johannes Lehmann (1910-1942):
„Afrika, den 14.9.1942
Sehr geehrte Frau Lehmann!
Als Komp.[anie] Führer habe ich die harte Aufgabe, Ihnen mitzuteilen, daß Ihr Ehemann bei den Kämpfen in der El Alamein-Stellung, bei einem Nahkampfgefecht, in der Nacht zum 4.9. sein Leben für uns, für Großdeutschland, gab. Ein Granatsplitter durch die Brust riß ihn aus unseren Reihen, für uns war es auf dem Kampffeld, in der Nacht ein Trost, daß er ohne Schmerzen zuerleiden augenblicklich starb. …“
Ein weiterer Bruder, Kurt (1914-1943), fiel in Russland.
Die Reihe der erschütternden Dokumente ließe sich millionenfach fortsetzen. Sie regen zum Nachdenken an!

Dr. Michael Bock

Quellen: Brief 1, zur Verfügung gestellt von Günter Wolff, Altgolßen. Briefe 2 und 3 Familienarchiv des Autors.

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