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Geschichtliches

Die Golßener Knaben- und Mädchenschule um 1800 bis 1888 – Teil V

Das Schuljahr 1886/87 verlief wieder planmäßig. In diesem lag die Schülerzahl bei 393 Kindern aus Golßen, Landwehr und Prierow.
Mit dem Schuljahr 1887/88 beendete der Chronist Kantor Gustav Lehmann seine Tätigkeit, deshalb hier der gesamte Wortlaut aus seiner letzten Eintragung in die Schulchronik von Golßen:

„Das Schuljahr von Ostern 1887 bis dahin 1888.

1. Der Unterricht im neuen Schuljahr begann mit dem 18. April.

2. Ferien. Nach Verfügung der Königl. Regierung.

3. Schulfeste. Der Sedans Tag wurde in herkömmlicher Weise gefeiert. Besonders feierlich wurde der Gedenk-Tag unseres lieben Kaisers [Wilhelm I. (22.3.1797-9.3.1888)]am 22. März begangen. Schon Tage zuvor wurden sämtliche Klassenzimmer mit Girlanden von Tannenzweigen und mit umflorten Kränzen geschmückt. Jede Klasse hatte ein Bild vom seligen Kaiser Wilhelm zu verschaffen gewußt und auf dessen Ausschmückung die möglichste Sorgfalt verwandt. Die Schulfeier begann um 8½ Uhr Vormittag und wurde von jedem einzelnen Lehrer in seiner Klasse abgehalten. An die Schulfeier schloß sich dann um 10 Uhr die kirchliche Feier an.

4. Außerordentliche Revisionen. Am 15. November revidirte Herr Schul- und Regierungsrath Heuber sämtliche Klassen. Die offizielle Schulprüfung wurde am 19.und 20. März abgehalten.

5. Die Schülerzahl gestaltete sich beim Anfang des Schuljahres so:
I. Klasse 23 Knaben 29 Mädchen
II. Klasse 31 Knaben 31 Mädchen
II. Klasse 48 Knaben 42 Mädchen
IV. Klasse 36 Knaben 42 Mädchen
V. Klasse 33 Knaben 32 Mädchen
Landklasse 20 Knaben 38 Mädchen
S. [Summa] 191 Knaben 214 Mädchen“ Das war ein Anstieg auf 405 Schüler.

„6. Personalien. Am 24. März schied Lehrer Overbeck von hiesiger Schule. Mit dem 31. März legten beide, Küster Neumann und Cantor Lehmann (nach 33jähriger Wirksamkeit hierselbst) ihr Amt nieder. 1. Sam 7, v. 12 [... bis hierher hat uns der Herr geholfen] Golßen, den 31. März 1888. Lehmann“
Mit Kantor Gustav Lehmann endet die Zeit der Golßener Schule als 5-Klassen-Stadtschule mit drei Landklassen (Gutsbezirke, Landwehr, Prierow).
Neues brachte das Schuljahr 1888/89. Deshalb wieder ein wörtlicher Auszug, jetzt vom neuen Rektor Kempff verfasst:

„Große Veränderungen brachte das Schuljahr. Den höheren Anforderungen gemäß, welche die Jetztzeit an die Volksschule zu stellen berechtigt ist, wurde ein neues Schulsystem für Golßen eingeführt. Die 5. klassige Schule wurde in eine 6. klassige Stadtschule, die 3. klassige Land- in eine 4. klassige Landschule umgewandelt. In welcher Weise dies geschehen ist, läßt sich leicht aus dem von mir ausgearbeiteten und von der Hohen Königlichen Regierung zu Frankfurt a/Oder unter dem 6. September 1888 genehmigten Lehrplan ersehen.
Ferner wurde dem hiesigen Schulwesen ein Hauptlehrer als Dirigent vorgesetzt, dem die Königliche Regierung die Instruktion für Rektoren (S.[iehe] Schumanns Verfügungen) erteilte. Ihm viel[sic!] die Aufgabe zu, die Reorganisation des hiesigen Schulwesens durchzuführen, den neuen Lehrplan zu entwerfen, als beigeordnetes technisches Mitglied der Schuldeputation anzugehören u.s.w.
Auf Empfehlung der Königlichen Regierung wurde vom Patron unserer Schulen, dem Fürsten zu Solms-Baruth, der bisherige erste Lehrer (u. Organist) der dreiklassigen Schule zu „Topper“ (märk.[isch] pos.[ener] Bahn), Mittelschullehrer J. F. Fritz Kempff berufen und bestätigt.

Fritz Kempff geboren am 24. Januar 1863 zu Dühmen (Westfalen, Sohn des gleinamigen Lehres, besuchte das Seminar Alt Döbern von 1880-1883) wurde 1884 erster Lehrer in Topper u. Bibliothekar des Feldmarschalls u. Statthalters v. Manteuffel und bestand im Mai 1887 das Examen für Mittel- und höhere Mädchenschulen. 1889 legte derselbe das Rektoratsexamen ab.

Als zweiter Lehrer und Kantor wurde Lehrer Max. Walter berufen. Derselbe wurde in Biesenthal geboren, besuchte das Seminar zu Oranienburg, wirkte in verschieden Stellen und besuchte dann das Institut für Kirchenmusik in Berlin, hier studierte er ein Jahr und kam alsdann als Kantor nach Golßen.

Als dritter Lehrer und Küster wurde berufen der Lehrer Paul Schmähling, der schon früher an der Golßener Schule gewirkt und allgemeine Achtung erworben hatte. Er ist Zögling des Seminars Neu-Zelle und arbeitete vor seiner Berufung als Lehrer der Glashüttenschule (Baruth).
4. Emil Otto.

5. [Vorname fehlt] Gabriel (Landklasse).

Die sechste Stelle blieb vakant.

Reich an Vakanzen war das Jahr, da Herr Lehrer Gabriel seines Lungenleides nur einige Wochen unterrichten konnte und sich teils in Görbersdorf, teils hier u. in seiner Heimat aufhielt. Außerordentliche Revisionen wurden nicht abgehalten. Die patriotischen Tage wurden festlich begangen.“

Die Herausgabe der Golßener Schulchronik bis zum Schuljahr 1932/33 wird als Buch angestrebt.
Dr. Michael Bock

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